Rache ist ein scharfes, altes Wort – und erschreckend aktuell. Sie fällt nicht vom Himmel: Rache beginnt fast immer mit Wut. Mit dem Moment, in dem etwas als Kränkung, als Unrecht, als Demütigung erlebt wird. Wut ist dabei der Funke, Rache die Form, die daraus werden kann: nicht mehr nur Affekt, sondern Richtung, Rechnung, Handlung. In antiken Tragödien wird genau dieser Übergang nicht psychologisch „erklärt”, sondern als Ordnungsmotor sichtbar gemacht. Wenn Recht ausgesetzt wird, übernimmt eine andere Grammatik. Gewalt wird zur Logik, die sich selbst bestätigt. Die Figuren handeln, als gäbe es nur zwei Möglichkeiten: Demütigung oder Gegenschlag. Und genau diese brutale Binärschaltung kennen wir heute wieder – in Kommentarschlachten, in ideologischen Fronten, in privaten Kränkungsökonomien, in der Politik, in der Sprache selbst.
„RACHE” ist kein Plädoyer, sondern eine Frage: Wann kippt Kränkung in Prinzip, wann wird Selbstschutz zur Erzählung, die alles erlaubt? Der Abend schaut auf den Moment, in dem Ordnung nicht mehr trägt – und an ihre Stelle eine einfache, gefährliche Weltformel tritt: Demütigung oder Gegenschlag. Er untersucht den Übergang von Wut zu Rache: vom heißen Affekt zur kühlen Rechnung, von „es tut weh” zu „du sollst bezahlen”. Nicht, um zu entschuldigen. Sondern um sichtbar zu machen, wie schnell wir uns selbst glauben, sobald wir uns im Recht fühlen.
Regie: Sandra Hüller und Tom Schneider
Dramaturgie: Laura Ellersdorfer
Bühne und Kostüme: Nadja Sofie Eller
Musik: Moritz Bossmann
Chorleitung: Toni Jessen
Darsteller_innen: Emilia Reichenbach, Annalena Hearing, Daniel Friedl und ein Chor aus Freiburger Bürger_innen
Gefördert vom Landesverband Freie Tanz- und Theaterschaffende Baden-Württemberg.
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